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Modelle, Theorien, Metaphern, Philosophien und Wurzeln

Modelle (und Theorien und Metaphern) erleichtern uns die Wahrnehmung, als Vorurteile erschweren sie die Wahrnehmung. Für unsere Orientierung und Handlungsfähigkeit brauchen wir sowohl Vereinfachungen (Modelle) als auch Philosophie als Verbindung zu unseren Wurzeln. 

Oft sind wir uns unserer Vorannahmen nicht bewusst. Dann handeln wir von einem blinden Fleck aus, den wir als reflektierende Praktiker/innen bewusst machen und als Aktionsforscher/innen systematisch beleuchten. 

Die hier vorgestellten Modelle und Theorien werden zu den Ansätzen lernen4dimensional bzw. Komplementär Lernende verdichtet.

Wozu brauchen wir diese Modelle, Theorien und Philosophien?

Wenn wir als Erwachsene Zugang zur Leichtigkeit des frühkindlichen Lernens finden wollen, müssen wir wahrscheinlich Umwege gehen, um den kindlichen Geist zu verstehen: 

  • Ein Umweg in der aufgeklärten Zeit ist, sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Theorien anzunähern, 
  • ein anderer Weg führt über Metaphern und Philosophien. 
  • Wenn man Lehrer/in, Kindergärtner/in, Sozialarbeiter/in wird, unterzieht man sich einer professionellen Ausbildung und einer ständigen praktischen Vertiefung im Kontakt mit dem Kind. So kann man sich Distanz zur üblichen wissenden und herrschenden Rolle erarbeiten, dies gelingt in Gemeinschaft mit empathischen Menschen.
  • Menschen, die Funktionen im staatlichen Bildungswesen innehaben, brauchen nur auszuprobieren, wie es sich anfühlt, wenn sie ihre Funktion im Gesamtsystem zum Schutz der kindlichen Eigenaktivität und der Autonomie der Schulen und Institutionen einsetzen, schöpferischen Entwicklungen Rückhalt geben, sich in den Dienst der Kinder stellen, auf Herrschaft und Dominanz verzichten.

Der häufigste Weg ist, selbst Kinder zu bekommen und sie liebevoll zu betreuen. Doch auch in der familiären Nähe sind Kinder für die Erwachsenen ein Geheimnis. 

Erwachsenes und kindliches Lernen

In ihrem letzten Buch "Das kreative Kind. Der absorbierende Geist" beschäftigt sich Maria Montessori mit dem Unterschied zwischen dem Lernen der Erwachsenen und dem absorbierenden Geist der Kinder:

Wäre es nicht herrlich, könnten wir die wunderbare Fähigkeit des Kindes beibehalten, das eine Sprache mit all ihren grammatikalischen Schwierigkeiten erlernt, indem es einfach glücklich und spielend sein Leben lebt. Wäre es nicht herrlich, wenn das Wissen in unseren Geist eindringen würde, indem wir leben, ohne größere Anstrengungen als Atmen und Essen. Anfänglich würden wir nichts Besonderes bemerken, und dann plötzlich würden sich die erworbenen Kenntnisse in unserem Geist offenbaren wie leuchtende Sterne des Wissens. Wir würden langsam die Existenz dieses Wissens spüren, das wir ohne Anstrengung erworben haben und das unser Eigentum geworden ist. (Vgl. Montessori 2007, S. 23)

Während wir Erwachsenen uns hauptsächlich kognitiv mit Erkenntnissen zum Lernen von Personen und sozialen Systemen vorarbeiten, erfährt das Kind eine Veränderung: Die Eindrücke dringen nicht nur in seinen Geist ein, sondern formen ihn. [...] Wir (Erwachsene) sind Aufnehmende; wir erfüllen uns mit Eindrücken und behalten sie in unserem Gedächtnis, werden aber nie eins mit ihnen, so wie das Wasser vom Glas getrennt bleibt. (Vgl. Montessori 2007, S. 23)

Das Kind in uns

Wir wollen mit lernen4dimensional und dem Verständnis "Komplementär Lernende" dazu beitragen, dass wir einfühlsam das kindliche Lernen achten und begleiten können und dabei auch von den Kindern lernen - das Kind in uns zurückgewinnen.

[2012-06-28, Redaktion]

Unsere Suche

In unserer Entwicklungswelt sind wir schon längere Zeit auf der Suche nach jener Sprache, mit der wir Neues mitschwingend begreifen, ohne es zu fixieren oder anzuhalten. 

Und wir suchen nach neuer Evaluation, die nicht von oben herab auf die Akteurinnen und Akteure blickt. 

Und wir suchen nach den Wirkweisen für weiterführende Vernetzung. 

Die Zeit neu sehen

Auch ahnen wir, dass die Zeit neu gesehen werden könnte. Es ist für uns so selbstverständlich, dass alles scheinbar hintereinander abläuft. – Allerdings gibt es in der Natur offensichtlich auch eine andere Zeit, zum Beispiel die Langsamkeit der Wahrnehmung und der biologischen Abläufe im Winterschlaf. Oder die Vorwegnahme der Zukunft im Samen. 

Plötzliche Übergänge

Und schließlich gibt es plötzliche Übergänge, etwa bei der Geburt eines Kindes: Die Atmung setzt ein, der Blutkreislauf wird nach der Entbindung vom Mutterkreislauf zum selbstständigen Kreislauf des Kindes. Es gibt qualitative Umschläge – qualitative Sprünge, in denen die Zeit Kapriolen schlägt. Nur unsere Uhrzeit tickt gleichmäßig und der Zeiger rückt stetig und gleichmäßig vor.

Vgl. Stockhammer 2011c