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Lernen als Reise

Es ist gar nicht so einfach, im Trubel des Alltags auf etwas Neues, das den Alltag wenden könnte, in Ruhe hinzuschauen. Reisenden gelingt das leichter. 

Die Schule, wie wir sie kennen, haben wir alle durchlaufen. Wir haben sie hingenommen wie Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, und wir haben uns an den Jahreszeiten des Schulwesens orientiert wie früher an den Rhythmen der Natur. 

Unsere Schule aus einer anderen Zeit

Viele engagierte Praktiker/innen und andere kluge Menschen sagen seit Langem, dass wir die Schule von Grund auf neu betrachten müssen. Denn die Grundmuster der Schulen stammen aus einer Zeit des späten Absolutismus und der frühen Industrialisierung – aus einer Zeit mit anderen Menschenbildern, anderen gesellschaftlichen Anforderungen an die Schulabgänger und anderen Erkenntnissen zu Bildungsprozessen. (Vgl. Senge 2000)

Typisches zu erkennen, ist ein Privileg von Reisenden

Typisches tritt hervor aus der Masse. Das können die markanten Formen von Kulturdenkmälern aus der Vergangenheit sein, wie die zwiebelförmigen Kirchtürme der einen Region im Gegensatz zu den spitzen Kirchtürmen der anderen Region. 

Auffällig können auch die Hochhäuser und Glaspaläste größerer Städte sein – im Gegensatz zu den niedrigen Streusiedlungen in manchen Wohngegenden. 

Auffallen können auch die wiederkehrenden Marken und Auslagen in den Geschäftszonen der Städte. Geübte Reisende können vielleicht feststellen, dass viele Marken international oder sogar global wiederkehrend auftauchen.

Muster erkennt man kaum, wenn man Teil des Musters ist

Leichter fällt es, Muster vor dem vielfältigen Hintergrund auszumachen, wenn man aus der Nähe in die Distanz wechselt. 

Bei Flugreisen erhält man den Musterwechsel mitgeliefert, sofern man mehrmals aus dem Fenster blickt – zunächst aus dem Fenster des Taxis, dann des Flugzeugs (in mehreren Höhenlagen). Man sieht die Umgebung des Flughafens am Boden, dann aus der Vogelperspektive. Der große Flughafen liegt irgendwann klein im Grünen, neben Äckern und Wiesen, die wiederum in lockere Siedlungsgebiete übergehen, die sich an den Rand einer Großstadt anschmiegen, die auf einer Seite am Rand der Voralpen liegt. Dann tauchen womöglich die stolzen Gipfel und Ketten der Hauptalpen auf. Und dann vielleicht das heiß ersehnte Meer … im Dunst der Ferne …

Vgl. Stockhammer 2011c

[2012-06-29, Redaktion]

Lernlandschaften achtsam bereisen

Für Lernlandschaften braucht man eine spezielle Achtsamkeit. 

Nehmen wir ernst, was von vielen plakativ proklamiert wird: das lernende Kind und die lernende Gemeinschaft.

Verzichten wir zunächst auf Lösungsvorschläge. Konzentrieren wir uns auf das Kerngeschehen von Lernen, Unterricht und Schule, denn darauf sollten sich mögliche Lösungen wohl beziehen.

Vielleicht liegen die Lösungen bei den Akteuren und Akteurinnen des Alltags und bei deren innerer Bereitschaft, bei sich zu beginnen.

Wird es eine Reise zu mir?