Hintergrundfarbe

L4D Logo Schrift

In Lerngemeinschaften zu einer neuen Kultur finden

C. Otto Scharmer nennt folgende acht Lernerfahrungen, die eine Lerngemeinschaft in Institutionen zu einer effektiven Infrastruktur für Lernerneuerung machen:

(1) Kerngruppenkomposition meint das Widerspiegeln des Gesamtsystems in der Zusammensetzung der führenden Gruppe der Lerngemeinschaft. 

(2) Primat der Praxis. Als Verbindung mit den realen Problemen und deren Bearbeitung. 

(3) Werkzeuge und Übungsfelder, an denen man selbst lernt. 

(4) Parallele Lernstrukturen, damit das Handeln aufgeladen und reflektiert wird. 

(5) Die Kraft der gemeinsamen Intention, die sich im Prozess herausbildet, also nicht vorgegeben ist. 

(6) Leidenschaft oder personalisierte Verkörperung des Projekts. Also Personen, die die Bedingungen für Selbstorganisation schaffen und aufrecht erhalten. 

(7) Wahrnehmungsgetriebene Aktivierung. Die Herausforderung muss nahe genug sein, um laufend durch die eigene Wahrnehmung zu einer inneren Aktivierung beizutragen. 

(8) Gemeinsame Produkte. Die Produktion fördert die Kompetenz- und Gemeinschaftsentwicklung. 

(Vgl. Scharmer 2009, S. 223 f., Stockhammer 2011e)

Die Komposition und die Arbeitsweise der hier charakterisierten innovativen Lerngemeinschaften schaffen günstige Voraussetzungen, dass die neue Kultur zum Sauerteig für die Erneuerung des größeren Systems wird. Dies hängt davon ab, wie ein Prozess der freiwilligen Kooperation in Gang gesetzt und in Gang gehalten wird. Das ist der Knackpunkt für kulturelle Entwicklungen. Entscheidend ist, ob eine größere Lerngemeinschaft entsprechend den genannten acht Lernerfahrungen für den Aufbau einer Lerninfrastruktur gelingt. 

lernen4dimensional ist aus innovativen Lerngemeinschaften entstanden. Wir freuen uns darauf, lernen4dimensional in systemischen Lerngemeinschaften weiterzuentwickeln.

[2012-05-16, Redaktion]

Parallelkultur

Die Lerngemeinschaften beginnen zunächst in ihren überschaubaren Kreisen Neues zu entwickeln – Ansätze zu einer neuen Kultur im Alltag. 

Sie verlassen die bisherigen Selbstverständlichkeiten und betreten Neuland. 

Dies gelingt in der Regel nur im Schutz einer Lerngemeinschaft, die Neues zum Projekt macht, es von mehreren Seiten absichert und so Mut macht, neue Wege zu gehen.

Im Verhältnis zur vorherrschenden und weit verbreiteten Kultur ist die neue Entwicklung eine Parallelkultur. 

Kulturen – besonders Alltagskulturen – zeichnen sich vor allem durch selbstverständliche Bräuche, Sichtweisen und Gepflogenheiten aus.